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Vergessene Orte: Bunkeranlage Kossa

Die Dübener Heide ist nicht nur wunderschön anzusehen, unter den ausgedehnten Wäldern verbergen sich auch manche fast vergessene Geheimnisse... Video

Die Bunkeranlage in Kossa ist eines davon. Zur Einordnung: Hier wurde weder der 3.Weltkrieg geplant, noch handelt  es sich bei der Anlage um einen "Geheimen Schatz" des Warschauer Vertrages. Die Einrichtung diente vielmehr als Gefechtsstand des  Militärbezirks III (MB III), zuständig für Aufstellung, Ausbildung und Vorbereitung sowie Führung von drei Ersatz- und Ausbildungsbrigaden, nachdem aus den Hauptkräften des MB III im Kriegsfall die 3.Armee der NVA gebildet wurden wäre. Deren Gefechtsstand hätte sich in einer ähnlichen Anlage bei Zwickau befunden. (Mehr dazu auf der allwissenden Müllhalde)
Es gibt größere, deutlich stärker ausgebaute Bunkeranlagen als die in Kossa, aber das schmälert in keiner Weise das Engagement, mit dem die kleine Truppe in Kossa dieses Objekt erhält und so Geschichte erlebbar macht.

Oberirdisch ist von der im Wald versteckten Bunkeranlage wenig zu sehen...
Am Boden war das gesamte Areal mit einem  unter Hochspannung stehenden Zaun gesichert.
Den Trabi gab es auch in militärischen Varianten
Den Kern der Anlage bildeten sechs Fertigteilbunker des Typs FB-75 mit einer recht niedrigen Schutzklasse. Nicht nur eine Kernwaffendetonation in der Nähe, sondern auch konventionelle, bunkerbrechende  Bomben hätten zur Zerstörung einzelner Bunker oder des gesamten Komplexes führen können. Deshalb gab es zwischen den einzelnen Bunkern Sicherheitsabstände und die gesamte Anlage unterlag strengster Geheimhaltung. Es wird behauptet, dass bis 1990 die NATO zwar Kenntnis von dem Objekt hatte, seine genaue Lage aber nicht kannte.
Der Eingang zum Rechnerbunker.
Hinter der harmlos aussehenden Holzhütte verbirgt sich der Eingang zum Schleusenbereich, der das Betreten und Verlassen des Bunkers auch unter Bedingungen des Einsatzes von ABC-Waffen gewährleisten sollte.
In jeder Schleusenkammer gab es genaue Instruktionen. Das EP-68 kennt jeder ehemalige NVA-Angehörige. Ob es geholfen hätte?
Nach erfolgreicher Entgiftung/Entaktivierung geht es über eine steile Stiege eine Etage tiefer in den Arbeitsbereich.  
Die Einrichtung war spartanisch und den beengten Verhältnissen im Bunker angepasst. Die Beschriftung der Räume übertreibt für mein Gefühl etwas. In Kossa wurde keine Armee geführt und wurden keine Divisionen hin- und hergeschoben. Einen CRA gab es übrigens auch schon auf Divisionsebene, der war für  die Raketenabteilung, das Artillerieregiment, die Geschosswerferabteilung und die Artillerieabteilungen der Regimenter zuständig.
Die Rechentechnik war für die Zeit durchaus modern.
Dafür war auch im kleinsten Bunker Platz:
Und das durfte natürlich auch nicht fehlen:
Stabsarbeit war noch zu großen Teilen Kartenarbeit...
...aber die Digitalisierung nahm bereits ihren Anfang.
Vorbei an oberirdischen Wasservoräten geht es zum Technikbunker.
Wasser und Strom wurde vor Ort produziert, zumindest solange die 20.000l Dieselvorrat reichten.
Danach gab es noch die Notbeleuchtung:
Unsere SZ: Auch damals schon staats- und linientreu.
In einer Armee mit preussischen Wurzeln musste natürlich auch auf dem Papier alles seine Richtigkeit haben....
Auch in der oberirdischen Baracke gibt es interessantes zu sehen. Kleines Detail: Drei Majore in einem Vierbettzimmer? Kann ich mir nicht vorstellen... Aber ansonsten ist die Atmosphere ganz gut getroffen.

Disclaimer

Da in allen geschlagenen Armeen dieser Welt die Tendenz besteht, Schlachten nachträglich und diesmal richtig zu gewinnen: Nein, ich war nicht Minister der Verteidigung und hatte zu aktiven Zeiten keinen Einblick in die strategischen Planungen der NVA. In den 80-ern war ich u.a. Batterieoffizier der 9.Bttr./AR-7 und später Stabschef der III. SFL-AA desselben Regiments. Obige Kommentare sind also weitestgehend  laienhaft und kein Grund für frühere Träger geflochtener Schulterstücke (so noch am Leben) auch heute noch einen Herzkasper zu erleiden.

War er nicht fesch?

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